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Lebensraum Felswand

Die sechs bis acht Meter hohe Felswand zeigt „en miniature“ den geologischen Aufbau des Wartbergs und ist Heimat von über 400 Tierarten und Pionierpflanzen.

Felswand am Riedkopf
Felswand am Riedkopf
Mauerechse
Mauerechse
Oregano
Oregano
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Ökologische Zellen

Die Felswand am „Riedkopf“ entstand durch das Rigolen der Weinberge, dem tiefen Auflockern und Umdrehen der Böden. Ihre Höhe erreichte sie durch die Flurbereinigung in den 1970er-Jahren. Eine bis 45 Meter mächtige Schilfsandsteinschicht bedeckt die Gipskeuperschichten: daher das typische Aussehen eines „Tafelbergs“. Dieser „Deckel“ verhindert, dass der Wartberg von Wind und Wasser abgetragen wurde. Die sonnigen, überwiegend kahlen Felsbänder vom Riedkopf bis zur Ludwigsschanze gehören zu den selten gewordenen Trockengebieten. Viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten haben sich auf die trockenen Standorte und strukturreiche Biogebiete spezialisiert: Besenheiden, Magerrasen, Waldsäume, Gebüsch, Felsspalten, Ritzen und Geröllhalden.

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Lebensraum für Reptilien

Wechselwarme Reptilien lieben hitzige Felsen. Hier sonnen sie sich von April bis Oktober, suchen ihre Beute und pflegen die Fortpflanzung. Schilfsandstein speichert die Sonnenenergie, gibt sie dosiert ab und schafft auf diese Weise ein warmes und ausgeglichenes Kleinklima. Die Reptilien, wie Echsen und Schlangen, sind die am stärksten gefährdeten Artengruppen. Eine Besonderheit der Schuttflure und Säume ist die 60 bis 70 Zentimeter lange Schlingnatter. Zu den Reptilien in trockenwarmen Biotopen zählen auch Blindschleichen, Mauereidechsen, die „Echse ohne Beine“ und die Zauneidechse.

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Pionierpflanzen und Wildkräuter

Hier wachsen Pflanzenarten, die eine besondere Anpassungsfähigkeit an die Besiedlung neuer, vegetationsfreier Gebiete besitzen und trockene Standorte ohne ausreichenden Humus lieben – sogenannte Pionierpflanzen. Diese haben die Eigenschaft, dass sie ihre Nährstoffe über Symbiosen mit Pilzen oder Bakterien bilden. Extrem schmale Blätter mit dichter Cuticula verhindern das Verdunsten des Gefäßwassers. Zum Beispiel besiedelt der Besenginster die Schuttflure. Durch seine Vorarbeit entsteht Trockengebüsch aus Schlehen, Rosen, Brombeeren und Hartriegel. Sogar Wildkräuter, wie z. B. Oregano, auch gerne wilder Majoran genannt, kann man hier finden.