II

Arbeitsweise einer Baumkelter

Um die mächtigen Baumkeltern mit ihren vielen Bauteilen bedienen zu können, waren mehrere sogenannte „Kelterknechte“ erforderlich, die den Pressmeister bei seiner Arbeit tatkräftig unterstützten.

Skizze einer Baumkelter
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1. Ruhelage

 

Der Kelterbaum wiegt rund 7,5 Tonnen. Nahezu waagrecht ruht er im Gleichgewicht, zwischen Vorder- (4) und Hinterdocke (1) , abgestützt auf dem Querholz des „Esels“ (5) . Die Spindel (7) ist so weitgehend entlastet. Das Gewinde ist gängig, linkssteigend und hat einen Durchmesser von etwa zwölf Zentimetern. Über dem Kelterbaum sitzt die Mutter.

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2. Aufschütten des Pressguts

Durch Drehen der Spindel wird das vordere Ende des Kelterbaums etwas nach unten gezogen. Der hintere entlastete Stützbalken wird entfernt. Der Baum liegt auf dem Querholz des „Esels“ (5) mit leichter Schräglage in Richtung Spindel. Die Maische, zerquetschte und vergorene Trauben, wird auf dem Arbeitstisch (Biet) unter dem Kellerbaum rechteckig aufgeschüttet; die Menge kann bis 2.000 Kilogramm Maische umfassen.

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3. Der erste Most fließt

Über die Maische wird eine Lage glatter Dielen gelegt und darauf zwei gehobelte Balken („Hunde“). Der Hohlraum zwischen „Hunden“ und Baum wird mit längs und quer gelegten Bracken gefüllt. Durch das entgegengesetzte Drehen der Spindel wird der hintere Kelterbaum wieder abgesenkt und beginnt auf Bracken und Pressgut zu drücken. Unter relativ sanftem Druck fließt der erste Most.

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4. Der einarmige Hebel

Der vordere Kelterbaum wird gehoben, bis er sich vom mittleren „Esel“ (5) etwas abhebt. Der hintere Baum drückt nun mit vollem Gewicht auf das Pressgut, aus dem verstärkt der Most fließt. In die oberen Schlitze der Hinterdocke (1) werden Balken (10) geschoben, genannt „Schieber“, bis der Baum von oben her spielfrei abgestützt ist. Die mittlere Abstützung kann entfernt werden. Der Kelterbaum drückt nun als einarmiger Hebel mit seinem gesamten Gewicht auf die Maische, da ihn der mittlere „Esel“ nicht mehr stützt.

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5. Verstärken des Pressens

Ein mit zwei Zentner Stein gefüllter Holzkasten (9) , der „Schragen“, wird durch Drehen der Spindel zehn bis 20 Zentimeter hochgehoben („Spannen des Baumes“). Nun drückt auch das Gewicht des Holzkastens, verstärkt durch das Hebelarmverhältnis, auf die Maische, die auf dem Arbeitstisch liegt. Der Druck auf das Pressgut entspricht zwei bis vier Tonnen. Zwei Stunden wird die Maische ausgepresst, danach wird der Kelterbaum gesichert, das Pressgut aufgelockert, gemischt und neu aufgesetzt. Je nach Produkt gibt es zwei bis drei Pressvorgänge: trockener Trester oder Trester mit Restsaft zum „Mosten“ oder „Einschlagen“ (Schnaps).