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Mutation und Züchtung

Nicht von heute auf morgen erfolgen Mutationen und Neuzüchtungen. Aus der Region stammen zum Beispiel Rebsorten wie Spätburgunder, Kerner, Dornfelder oder Acolon.

Samtrot
Samtrot
Kerner
Kerner
Dornfelder
Dornfelder 
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So entstehen neue Sorten

Die Reben im Weinberg vermehren sich vegetativ, alle Reben einer Sorte sind genetisch identisch. Man spricht deshalb von einem Klon. Trotzdem treten dauerhafte Veränderungen auf. Aus den Mutationen können neue Sorten entstehen, wenn sie entdeckt, isoliert und vermehrt werden. Beim Burgunder gibt es berühmte Mutationen. Ausgehend vom Blauen Spätburgunder aus Burgund mutierte daraus der Graue Burgunder, aus dem wiederum der Weiße Burgunder hervorging. Eine bekannte Unterländer Mutation ist der Clevner.

 

Die Weinbauzüchtung möchte, wie bei allen Kulturpflanzen, nützliche Eigenschaften erhalten oder verbessern. Bei der Rebe sind dies vorrangig sicherer Ertrag, hohe Qualität sowie Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge. Frosthärte oder Trockenheitsresistenz sind weitere Eigenschaften, die angestrebt werden.

 

Im Blickpunkt steht die Kreuzungszüchtung: durch Kombination der Erbanlagen können Sorten mit völlig neuen Eigenschaften entstehen. Da unsere Rebsorten nicht reinerbig sind, ist das Ergebnis einer Kreuzung immer offen. Der Züchter muss wertvolle Eigenschaften erkennen, das Richtige aus zigtausend Pflanzen herauslesen.

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Eine Generation Entwicklung

Die Entwicklung einer neuen Rebsorte ist mühsam. Sie dauert meistens eine Generation lang. Bei der Kreuzung im Juni werden die Pollen auf die von Staubfäden befreiten Blüten aufgebracht. Im Herbst erfolgt die Aussaat der gesammelten Traubenkerne. Die Sämlinge müssen dann drei bis fünf Jahre gepflegt werden, bis der erste Wein gewonnen werden kann. Ein Jahr später weiß man mehr vom neuen Produkt. Weitere zehn Jahre vergehen mit besonderen Aufgaben, wie der Herstellung von Pfropfreben, der Verbesserung der Vinifikation (Prozess der Weinbereitung) und der Prüfung der Kulturansprüche sowie des Lagerverhaltens. Bis zum Eintrag einer neuen Sorte in die Sortenliste sind dann meistens drei Jahrzehnte vergangen.

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Regionale Züchtungserfolge

Der Heilbronner Weingärtner Hermann Schneider fand 1928 einen neuen Spross der Burgunderfamilie, als er in seinem Weinberg mit Schwarzriesling eine Rebe mit unbehaarten Blättern entdeckte. Mithilfe des Weinsberger Rebenzüchters August Herold wurden diese Reben ausgewählt und vermehrt. Heute ist dies die eigenständige Sorte Samtrot, burgunderähnlich, aber weicher und samtiger.

 

Aus Weinsberg kamen bedeutende neue Sorten. Die nach dem Weinsberger Dichter Justinus Kerner benannte weiße Traube Kerner fand schnell Einzug in alle deutschen Anbaugebiete. Der Weinbaufachmann Dornfeld aus Weinsberg stand Pate für den markanten roten Dornfelder, der in den letzten Jahrzehnten zu einem deutschen Rotweinklassiker gereift ist.

 

Eine weitere Rotweinsorte ist Acolon, die von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg aus den Rebsorten Lemberger und Dornfelder gekreuzt wurde. Die Rebsorte erhielt 2002 vom Bundessortenamt die Sortenzulassung und den Sortenschutz als Neuzüchtung. Acolon ist ein reiner Fantasiename.